Der Heldenplatz in Wien
Die Schlusskundgebung der Regenbogen Parade zu Europride
wird auf dem Wiener Heldenplatz stattfinden. Der Heldenplatz ist einer der am
stärksten belasteten Orte Wiens. Hier bejubelten Hunderttausende Hitler und
ließen den prominentesten Wiener Platz zum Symbol für Terror und Menschenverachtung
werden, mit dem viele Österreicherinnen und Österreicher ihr Land und
ganz Europa überzogen. Der Heldenplatz hat freilich auch andere große
Versammlungen gesehen. 1993 zeigt das Lichtermeer, dass - wiederum Hunderttausende
- bereit sind, für Menschenrechte, eine aufgeschlossene Gesellschaft und
einen demokratischen Rechtsstaat auf die Straße zu gehen. Am 19. Februar 2000 demonstrierten über 300.000 Menschen am
Heldenplatz gegen Rassismus, Fremdenhass und FPÖVP.
Wenn sich am 30. Juni 2001 der Heldenplatz für eine Feier für Emanzipation
und Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und TransGenderpersonen
füllen wird, sind wir uns dieser zwiespältigen Geschichte bewusst. Die
große Zahl der Versammelten gibt uns Hoffnung und Mut, jedoch ersetzt sie
kein Argument und gibt uns keinerlei Legitimation. Einzig durch das, wofür
wir dort eintreten, können wir uns als eine Bewegung erweisen, die der Aufklärung,
dem gesellschaftlichen Fortschritt, den Menschenrechten und der Demokratie verpflichtet
ist. In diesem Sinne nehmen wir dann den größten Platz der Wiener Innenstadt
für uns in Beschlag.
Veit Georg Schmidt, für den CSD Wien |